Der steinerne Junggeselle

Im Jahre 1950 schuf die Künstlerin Guta von Freydorf auf Auftrag von Kommerzienrat August Wegeler einen originalgetreuen Junggesellen mit Bock aus Stein. Dieses Geschenk des Zunftfreundes Wegeler, der nach dem zweiten Weltkrieg wieder in Waldshut lebte, war eigentlich für den Vorplatz des Waldshuter Bahnhofs gedacht, um die Ankommenden – ob per Bahn oder mit dem Auto über die B34 – zu begrüßen (siehe Bild). Allerdings mußte er in den 70er Jahren bei der Neugestaltung des Platzes weichen und wurde auf die Bernhalde in der Nähe des Kinocenters Albrecht verbannt. Dort führte er ein eher trostloses Dasein und war der mutwilligen Zerstörung Unbekannter schutzlos ausgeliefert. Gerade noch rechtzeitig reagierte man Ende der 70er Jahre und rettete den Steinjunggesellen, indem man ihn in die damals neu renovierte Stadtscheuer brachte. Die erfolgreiche Wiederbelebung der Statue begann 1994 unter Zunftmeister Thomas Völk, der die ersten Gespräche mit Sachverständigen und städtischen Behörden führte. Auf einen Antrag an den Bau- und Umweltausschuß der Stadt Waldshut-Tiengen hin entschied sich dieser in seiner Sitzung am 17. März für den von der Zunft favorisierten Standort vor dem Unteren Tor. So konnten die Junggesellen am 25. April mit der Arbeit beginnen: In Eigenarbeit hoben sie Erdreich für das Fundament aus, am 04. Mai folgte die Aufstellung der Stele und des “steinernen Junggesellen”, allerdings zunächst in verhüllter Form. Denn die Enthüllung fand am 17. Mai in einer Feier auf dem Gebiet vor dem Unteren Tor/ Rheinischen Hof statt: Rund 100 Gäste waren der Einladung der Junggesellenschaft gefolgt, um bei der Enthüllung – natürlich unter den Klängen des Junggesellenmarschs – durch Oskar Bornhauser, Zunftbruder bei den Ehemaligen, der damals Modell gestanden hatte, dabei zu sein. Zunftmeister Markus Walde dankte in erster Linie allen Helfern, die dieses Projekt durch ihr Zutun ermöglicht hatten. Er betonte den Charakter des Junggesellen, der in seiner Pose siegreich vor dem Tor zur Innenstadt steht und somit den Einsatz für die Freiheit der Waldshuter gegen die Schweizer Belagerer verkörpert. Dem heutigen Betrachter soll er nicht nur die Geschichte der Stadt in Erinnerung rufen, sondern zugleich zu dem mutigen Eintreten für Freiheit und zu Engagement ermuntern, das die Bürger vor 530 Jahren bewiesen hatten.

Waldshut, im Sommer 1998

Markus Walde